Labels

Posts mit dem Label Gedichte eigen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gedichte eigen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 4. Juni 2014

Strandzubehör


transparent pulsierende quallenleiber
weitläufige muschelstädte
grünbraune seetangstraßen
kleines krebsgetier
wurmgekräusel im sand
gedörrte qietscheentchen
neben sonnenmilch
aufblasbare palmeninsel vor
wassereisstielansammlung
unterspülte burgen aus sand
darin ertrinkende plastikritter
ein eimer in blau
gefüllte getränkekühltasche
vor sandwichgebirge
streifenliegelaken leer
sonnenschirm und windschutz
ein rotes ensemble
eingegraben
im menschenmeer

NHF - 2003

Freitag, 29. November 2013

Schneewittchenfloß


Für eine eventuelle Meerfahrt
habe ich mir ein Floß gebaut.
Schneewittchenfloß nannte es jemand.
Ich verschluckte meine Wut darüber.
Auf einer verrosteten Metallplatte
befinden sich ein metallenes Segel, zwei Speere,
einer aufrecht, einer liegend, teilweise mit einem weißen Tuch umhüllt.
An einer Seite ist ein Stück Holz eingearbeitet, Moos hängt
von seiner dem Wasser zugewandten Seite.
Dieses Schneewittchen liegt in keinem Sarg aus Glas,
es fährt bewaffnet auf den Meeren umher.
Grüßt es mir!

NHF - 2013


Das Schneewittchenfloß, das mich zu diesem Gedicht angeregt hat, gibt es tatsächlich, zuvor wurde es auch als Schwarzwaldschifferl bezeichnet; zu sehen hier.

Montag, 1. April 2013

1000 Regentropfen


Heute bin ich 1000 Regentropfen
die vom Himmel fallen
zuerst leise und zaghaft

in der Verdichtung
pochend

angesammelt
falle ich
falle ich
falle ich
platsche auf die Pflaster

platsche auf
ringsherum

werde nicht gezähmt
zerspringe kristallgleich in abertausende Wassermoleküle

unabwendbar ganz nah besehen
wäre ich für Augenblicke überall.

NHF - 2013

Montag, 26. November 2012

Blickrichtung Meer


Ich blicke auf meine Hände
und denke mich ans Meer
lasse salzige Perlen
auf kleinen
Kräuselwellen
dem Strand
zurollen
flüstere Geheimes
in leere Schneckenhäuser
grabe meine Hände
die sich noch immer
danach sehnen dich erneut zu berühren
in den atmenden Sand
und täusche mich so über die Realität hinweg.

NHF - 2012

Samstag, 21. Juli 2012

quickrig

Ich werfe meinen Blick weit
über das grüne Meer

ich hülle es ein
kann seine kleinen
weichen Wellen
unter mir spüren

sehe bis auf den sandigen Grund
zähle Muscheln und Steine
tauche ein in quickrige Fischschwärme

und hoffe dass mir Schwimmhäute wachsen ...

NHF - 2012

Montag, 30. April 2012

Meer und Kiesel

Gestern noch
war ich selbst mir das Meer
tosend, tief und weit.

Heute schon
finde ich mich wieder
in einem glatten Kiesel am Strand.

NHF - 2012

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Am Meeressaum

Heute war ich ihm
für eine kleine Weile
ein sanftes Gegenüber

und das Meer wogte in mir.

NHF - 2011

Donnerstag, 22. September 2011

Oktober

Herbstlicht presst sich durch Platanenblätter
ein Rascheln wandert über graue Pflasterstilleinseln
in deren Hell und Dunkel dicke Tauben trippeln.

NHF - 2011

Anmerkung: dieses Gedicht fällt wohl, wie ich gerade feststelle, in die Rubrik: "unbewusst wieder aufgegriffen", siehe auch: Variationen von Grau)

Montag, 22. August 2011

Traumtreibgut

Heute Nacht träumte ich mir
ein türkisfarbenes Meer an mein Bett.
Seichte Wellen säuselten an seine Ränder
und ein Schwarm kleiner Fische
stieg silbern quirlig an die Oberfläche.
In der Ferne sah ich mich treiben
ich winkte wohl auch mir zu.

NHF - 2011

Freitag, 17. Juni 2011

das eine

zu liegen
aneinander
nichts weiter
nichts mehr
voreinander
vollkommen
ganz eins
ganz ruhe

stetig nur
das blaurauschende
flüstern der wellenberge
und die leise dahinziehenden
sandheergezeiten

zu liegen
aneinander
nichts weiter
nichts mehr
in der hitze des tages
in goldenen stunden
salzige tropfen
zu jahren fließen

stetig nur am himmel
die weißen möwen
gickernd gleitend
über das eine
unten am strand


(... für P.)

NHF - 2003

Dienstag, 12. April 2011

Gedicht des Meeres

Das Meer weicht zurück
bis zum Horizont
geht über in Grau

Im feuchten spiegelnden Grunde
werfen hunderte von Sandwürmern gekräuselte Burgen auf
grünlichbraune Algen schlingen sich umher
und die bunten Häuser der Napfschnecken
setzen sich vereinzelt als Punkt hinzu

zaghaft nähert sich die Flut
treibt kleine Krebse
zwischen die flüchtigen Zeilen

NHF - 2011

Freitag, 11. Februar 2011

Tränenmeer

Was brennt das Meer
wie eigene Tränen mir
heiß und feurig
selbst in den kleinsten Winkeln.

Was kühlt das Meer
wie deine Tränen mir
schmerzend
die noch unbedeckten Wunden.

War es stets in mir
dies Tränenmeer?

NHF - 2010

Sonntag, 23. Januar 2011

ein rot



ein rot fiel vom himmel es war klein und leicht und schmiegte sich an eine häuserwand - dort geriet es in vergessenheit

NHF - 2011

Mittwoch, 5. Januar 2011

In der Nacht

Ist es dunkel im Meer
in der Nacht?
Sterne funkeln
hoch oben
und tief, tief unten.

NHF - 2010

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Es wäre still zu dieser Zeit

Es wäre still zu dieser Zeit
die Schneeflocken schluckten alle Geräusche
und bärgen sie in ihren Zwischenräumen.

Unten der Weihnachtsmarkt
Gewimmel in den Gassen
Buden, Lichter, Kramgesichter
mittendrin der größte Weihnachtsbaum, steif und starr.

Es hockte ein echter Engel auf seiner Spitze
und blickt auf den Penner am Parkhauseingang
mittendrin sitzt dieser, zusammen gesackt
es fehlen im Socken, Handschuhe, Schal und Mütze,
rot vor Kälte seine Haut.

Es wäre still zu dieser Zeit
und der Engel würde sich hinab stürzen wollen vor Scham.

2010 - NHF

Anmerkung: Leider bin ich nicht dazu gekommen selbst ein Bild des "größten Weihnachtsbaumes" zu schießen, da ich, wie man sich denken kann, nicht gerade ein Freund von Weihnachtsmärkten oder sonstigem Gedränge bin. Aber hier derweil ein kleiner Eindruck zum Ort des Geschehens.

Freitag, 3. Dezember 2010

Variationen von Grau

Stille liegt auf dem Granit der Stadt
Platanengeäst filtert das herbstliche Sonnenlicht
Im Hell und Dunkel trippeln Tauben umher.

2010 - NHF

Freitag, 5. November 2010

kopftraumalose

sie ziehen entlang an bordsteinkanten
in deren dreckdurchzogenen furchen sie neue spuren sehen

rote blätter rauschen
der himmel kalt und klar

im rinnsteingitter klebt der tagesteil
als feuchte druckerschwärze

menschen ohne kopf gesehen
auf einer zeile klein dem abgrund nah

kopftraumalose
rennen nun wo andere stehn

menschen ohne kopf gesehen
die roten Blätter rauschen

manch schatten gleitet unbemerkt einher
in einer welt die wogt und bebt und hin und her

kopftraumaloses gedankenmeer

NHF - 2002/2010

Sonntag, 31. Oktober 2010

Wrackteile

flügel auf den wellen
auf und ab
gelber flügel aus metall
kleiner doppeldecker
propellersurrend abgeschmiert
voran ins seichte blau

grüne wasserschnecken
über ANNABELL her ziehen
fest angeschnallt noch der pilot
erstarrte linien im gesicht
hauch von purpurrot
augen ohne widerhall im tod

der zweite sitz blieb unbesetzt
kein copilot anbei und
um das wrack herum
weiße blätter fliegen
massiges gemetzel
letzter liebelei

NHF-2003

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Ich träumte


Ich träumte
Teil eines Bootes zu sein
Tief in den Planken
ein kleiner Nagel
Backbord am Bug

Sommersprossenrostig
ich die Welt anblicke
nah am Wasser
nah am Innern

Salz auf mir krustet
Blut an mir trocknet
Algen mich kitzeln

Am Strand tippeln die Möwen umher
eine pickte nach mir

2005-NHF

Montag, 20. September 2010

Geblendeter Blick oder Wege aus Teheran


(Blick auf das Elbursgebirge - NHF - 2003)

am ausläufer des elbursgebirges beginnt die reise
voran auf baumgesäumter straße
schieben sich laute autokolonnen bergan
beiderseits quellwasserkanäle stadtabwärts fließen
langsam bleibt die welt zurück
der geruch braunen gesteins durchzieht die klare luft
esel mit lastkörben das heu im maul auf steilen pfaden
hoch oben adlerkreise im blau
der weg wird karg ist grau
ankunft nach zwei stunden
rundumblick doch die augen schmerzen
meterhoch der schnee
unberührte decken halten still
der schlaf ist tief
gleißendes weiß
doch zu erkennen
trotz des geblendeten blicks
bunte blüten im schnee
hier und da und dort
die schwarzen tücher der frauen
wehen fort

NHF - 2003/2010