Montag, 18. Juli 2011

Buchvorstellung 11 - Nina Jäckle - Zielinski


Bisher haben mir alle Bücher von Nina Jäckle sehr gut gefallen und dieses hier hat mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt und bringt mich auch jetzt noch zum schmunzeln.
Worum geht es? Zielinski zieht ein. Auf einmal ist er da. Im größten Zimmer des Protagonisten steht sie, Zielinskis, mit blauem Samt, ausgeschlagene Holzkiste, in der Zielinski, unter einem Kronleuchter, sitzt und mehr und mehr in das Leben des Protagonisten, ja, in diesen eindringt. Nach und nach verschwimmen die Ebenen - Realität, Phantasie, was ist Gedanke, was Handlung, was Tat, .....? Eine gelungene Darstellung (u.a.) einer Selbstentfremdung und wie es in der Klappe beschrieben ist: "Nahezu unbemerkt von seinem sozialen Umfeld zieht sich ein Mensch Schritt für Schritt zurück, er kippt aus dem alltäglichen Leben."

..."Dieser Zustand, mir selbst eine Variable zu sein, mir also vorstellen zu können, dass das eigene Erleben nicht vom Tatsächlichen abhängt, sondern vielmehr von einer Entscheidung für die eine oder für die andere mögliche Variante, müsste mich eigentlich beängstigen." (S.71) ...

..."- Im Auf- und Abgehen lässt es sich wunderbar leben, glauben sie mir. Für mich ist das Streben nach Sinnvollem, dem Sie so viel Bedeutung beimessen, lediglich eine nervöse Störung des Selbstverständnisses. Ich bin ohne Auftrag und ohne jedes Begehr, wohnhaft in meiner Kiste, das ist alles. Und es hat nicht im Geringsten etwas mit Ihnen zu tun. Zielinski lehnt sich in seinem Stuhl zurück und sieht aus meinem Fenster. Dann steht er auf, nimmt seinen Stuhl, er nickt mir höflich zu und geht inseine Kiste, er schließt leise die Tür hinter sich." (S.71f) ...

"Nun stehe ich vor seiner Tür, es riecht nach Holz Ich bin gut aufgehoben, hier, in diesem System, für dessen Erhalt ich einfach nur mit allem einverstanden sein muss. Und so baue ich mir ein Nest aus Widerstandslosigkeit, und es baut sich mühelos, fast wie von selbst." (S.73) 
 aus: Nina Jäckle - Zielinksi

Donnerstag, 7. Juli 2011

Stunde der Selbstverengung ...

"In der Stunde der Selbstverengung, wenn mich die Empfindsamkeit in die Isolation und die Isolation in den Hochmut treibt, gehe ich in das Café Heimatland und schaue der Kellnerin bei der Arbeit zu. Die Frau weiß nicht, dass sie mich ins Leben zurückholt und dass ich nur deswegen ins Café Heimatland gehe. ..."
 Wilhelm Genazino - Der Fleck, die Jacke, die Zimmer, der Schmerz