Dienstag, 24. Mai 2011

Leiden

Es gibt Leiden, von denen man die Menschen nicht heilen sollte, weil sie der einzige Schutz gegen weit ernstere sind.
Marcel Proust - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Donnerstag, 19. Mai 2011

zit

manchmal wenn ich schreibe kann ich die textur meines gehirns spüren was nicht angenehm ist was mich extrem beunruhigt
und dann dauert es nicht lange und ich stürze zwischen meine eigenen zeilen die gedachten und erst recht die geschriebenen worte enthalten zuviel raum ihre anziehungen sind beliebig zu viele kombinationsmöglichkeiten die nach und nach ihren sinn verlieren selten nur an sinn gewinnen
ich stürze hinein in dies sich ständig verändernde gewebe an bedeutungen und die worte sind wunderschöndiamantengedankenklar und zugleich absolut sinnentleert und nicht mehr zu gebrauchen
und dann beginnen die worte zu fallen zwischen sich und andere zwischen die bedeutungen zwischen meine gedanken zwischen alles was sie beschreiben könnten tragischerweise auch zwischen mich und die welt und letztlich entwischen mir die worte selbst zu den rändern hin
zit
so einfach geht das

NHF - 2011

Montag, 16. Mai 2011

Buchvorstellung 10 - Henry Miller - Die Kunst des Lesens (Ein Leben mit Büchern)



Als nach wie vor begeisterte Leserin von Henry Miller ist dieses kleine Bändchen natürlich eines meiner Lieblinge. Damals, es mag vor mehr als 15 Jahren gewesen sein, war es gar nicht so einfach an eine Ausgabe zu kommen, die weder zerfleddert ist, noch unangebrachte Anmerkungen oder sonstige Krakeleien enthält.
Wie auch die anderen Bände meiner HVM-Sammlung, so schaue ich auch in "Die Kunst des Lesens" dann und wann hinein und finde immer etwas, das mich anspricht und mir Lust macht, etwas von diesem oder jenem Schriftsteller (z.B. Hamsun) bzw. dieser/jener Schriftstellerin zu lesen. Es gefällt mir, dass es nur ein schmales Bändchen ist, die meisten dicken Wälzer sind mir eher suspekt und ich kenne kaum ein "umfangreiches" Buch, das durchgängig lesenswert wäre - aber ich lasse mich gerne bekehren.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort (des Herausgebers und von HVM)
I. Sie waren lebendig und sie sprachen mit mir
II. Frühe Lektüre
III. Blaise Cendrars
IV. Jean Giono
V. Brief an Pierre Lesdain

Anhang:
1. Die hundert Bücher, die mich am stärksten beeinflussten
2. Bücher, die ich noch lesen möchte

Über den Verfasser 

Personenregister und Verzeichnis der erwähnten Bücher

aus dem Inhalt (S.94):
"Lassen Sie mich dem hinzufügen: als ich einigen mir befreundeten Buchhändlern die Bücher aufgab, die ich gern haben wollte, erhielt ich als Rückantwort von allen im wesentlichen die gleiche unverlangte Ohrfeige: << Noch nie einen solchen phantastischen Mischmasch von Titeln gesehen! >> Als hätte ich bei der Auswahl aus allen Büchern, die ich in den letzten vierzig Jahren gelesen habe, für sie eine bestimmte ansprechende und verständliche Reihenfolge von Titeln zusammenstellen wollen! Wo sie ein Tohuwabohu erblickten, sehe ich Ordnung und Sinn. Meine Ordnung, meinen Sinn. Meinen inneren geistigen Zusammenhang. Wer kann mir sagen, was ich hätte lesen sollen und in welcher Reihenfolge; Wie unsinnig! Je mehr ich meine Vergangenheit ins Licht hebe, so wie sie sich durch die Bücher, die ich gelesen habe, selbst darbietet, desto stärkere Logik, desto größere Ordnung, desto strengere Zucht entdecke ich in meinem Leben. Selbst wenn es wie Sumpfland erscheint, stets trägt das eigene Leben einen tiefen Sinn in sich."

Mittwoch, 4. Mai 2011

Seelenleben

"... Wenig später drängt mir die Eigenart des Lebens eine innere Stummheit auf. Ich höre jetzt nur noch das Wehklagen meiner ratlosen Seele. Sie möchte gern etwas erleben, was ihrer Zartheit entspricht, und nicht immerzu dem Zwangsabonnement der Wirklichkeit ausgeliefert sein. Ich beschwichtige meine Seele und schaue mich nach geeigneten Ersatzerlebnissen um. Aber die Wirklichkeit ist knauserig und weist das Begehren meiner Seele ab. ..."
Wilhelm Genazino - Das Glück in glücksfernen Zeiten

Sonntag, 1. Mai 2011

Lektüre

"Vielleicht haben wir von allen Kindheitstagen diejenigen am intensivsten durchlebt, von denen wir glauben, wir hätten sie nutzlos vertan: Die nämlich, die wir mit der Lektüre eines Lieblingsbuches verbrachten."
Marcel Proust