Dienstag, 22. März 2011

Buchvorstellung 09 - Siegfried Lenz - Wasserwelten - Eine Sammlung



Dieses Buch habe ich erst vor kurzem entdeckt. Es enthält eine Zusammenstellung der "Meerestexte" von Lenz und hat mir, als Meeresliebhaberin, sehr zugesprochen. Dabei ist es in folgende Bereiche gegliedert: Meer und Küste, Fluß und Hafen, Marine, Die Wracks und die Taucher, Vom Fischen und Angeln, Aquariums-Kultur oder Der große Zackenbarsch und enthält noch den Epilog: Kleines Strandgut. Im Glossar finden sich Erläuterungen zu solch gut oder seltsam klingenden Worten, wie  z.B. "bathypelagische Zone" (sogenannte lichtlose Zone, von 1000 bis 4000 Meter unter dem Meeresspiegel) oder "krängen" (seitliche Neigung eines Schiffes).
Von der Klappe: "Siegfried Lenz , ..., ist nicht nur einer der letzten großen Geschichtenerzähler - er ist auch ein Schriftsteller des Meeres: Strände, Häfen, Inseln, Küsten, Fjorde, große und kleine Schiffe sind die Schauplätze seines Werks; sein Personal besteht aus Fischern, Anglern, Tauchern, Matrosen, Hafenarbeitern, Schauerleuten. Siegfried Lenz' Bücher sind ohne das Wasser nicht denkbar: Wie alle Wasserläufe führt der Welt führt auch der Strom seines Erzählens am Ende unfehlbar zum Meer, als folge er einem verborgenen Gesetz."

Siegfried Lenz - Wasserwelten - Eine Sammlung (marebibliothek)

"Unmittelbar neben dem Pfad zog sich eine Flutlinie von Seetang, verdorrtem Pfeilgras und Geröll hin, und parallel zu ihr liefen andere, ältere Linien: jede große Flut hatte so ihre Markierung hinterlassen, ihren Erinnerungsstreifen, der von der winterlichen Kraft der See zeugte oder von ihrem winterlichen Grimm. Jede Flut hatte etwas anderes erbeutet, eine hatte weißgewaschenes Wurzelwerk aufs Land geschleudert, eine andere Korkstücke und einen zerschlagenen Kaninchenstall, da lagen Tangknollen und Muscheln und zerrissene Netze und jodfarbene Gewächse, sie wie groteske Schleppen aussahen, ..." (Siegfried Lenz - Deutschstunde)

Dienstag, 1. März 2011

Ein sehr kleiner Raum

Am Ende verschlägt es uns in einen sehr
kleinen Raum, für Sätze, Herzschlag, Gebärde
zu eng. Wenn Raum so heranrückt, ist von Zeit
nichts mehr zu hören. Jetzt nicht loslassen in diesem
Würgegriff, wer zwischen erdigen Decken zu Hause ist,
kann ruhig ersticken. Das Ungeschehbare fängt an, sich
zu vollziehen; Beklemmung, Atemnot
verkehren sich. Im strahlenden Schwarz folgt
ein unendliches Ausdehnen, ohne Körper kann
man wahrhaftig heimkehren. So wie aus einer Schar von
Vögeln sich das Schwärmen löst, sich aus der größt-
möglichen Verdichtung das Gedicht hervorwindet
und Vers wird, so wie in Erde, so wie Luft.

Anna Enquist - Ein neuer Abschied