Sonntag, 31. Oktober 2010

Wrackteile

flügel auf den wellen
auf und ab
gelber flügel aus metall
kleiner doppeldecker
propellersurrend abgeschmiert
voran ins seichte blau

grüne wasserschnecken
über ANNABELL her ziehen
fest angeschnallt noch der pilot
erstarrte linien im gesicht
hauch von purpurrot
augen ohne widerhall im tod

der zweite sitz blieb unbesetzt
kein copilot anbei und
um das wrack herum
weiße blätter fliegen
massiges gemetzel
letzter liebelei

NHF-2003

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Buchvorstellung 06 - C. W. Aigner: Logik der Wolken


Wie mag man den Inhalt dieses Buches beschreiben - als mehr oder wenig komplexe Prosaskizzen - zwischen inneren Gedanken und Weltbeschreibung?
Ich nehme das Buch immer wieder gerne zur Hand um ein bisschen zu träumen, zu denken, abzuschweifen...
"Was die meisten Menschen sagen was sie sehen, beunruhigt mich, denn ich kann es nicht sehen. Und es beunruhigt mich noch mehr, dass sie genau Bescheid darüber zu wissen scheinen, was sie sehen; und dass dies die Realität sei, auf der die menschliche Welt aufgebaut ist." (S.22)

"Mondhäutchen auf dem gespannten Vormittagsblau."(S.38)

"Die Sonne in der Farbe eines Brathuhns, bei Brandwolkenkrusten, in den Horizont gedreht; da fließt buttergelbes zerlassenes Licht." (S.69) 
Christoph Wilhelm Aigner - Die Logik der Wolken

Donnerstag, 21. Oktober 2010

...Fische

"Heute frage ich mich, ob es einen einzigen Fisch gibt, der gestorben ist, weil er alt war und nicht weiter wollte. Und wie geht das vor sich, wenn ein Fisch nach Art der Fische stirbt? Sucht er dann den Grund des Meeres auf und legt sich nieder? Oder Wie? Ich bin sicher, es gibt keinen einzigen Fisch, in allen Meeren nicht, der wie ein Fisch gestorben ist. Sie wissen nicht einmal, daß sie immer nur von einem Tag zum anderen leben. Deswegen sehen sie auch als Tote so hellwach und alarmiert aus. Auch jetzt wieder! Die offenen Kiemen! Die aufgerissenen Augen! Die schnappend geöffneten Lippen!"
Wilhelm Genazino - Die Obdachlosigkeit der Fische

Vielleicht ist es auch deswegen so schön und befriedigend Fische zu malen. Hier der Link zu einer meiner Fischzeiten.

Samstag, 16. Oktober 2010

Entfernungen

Spätherbst - Sonne auf den Stühlen und Tischen des Cafés.
Eine Frau in rotem Blazer geht langsam mit ihrem Hund vorbei.
Handtasche unter die Schulter geklemmt, aufrechte Haltung, die grauen Haare in gepflegter Frisur stoppt sie an dem runden Mülleimer neben dem Café.
Langsam beugt sie sich hinunter - ihre Beute: eine Plastikflasche mit einem Rest Cola, der Schraubverschluss dick mit gelbem Senf ummantelt.
Kurz begutachtet die Frau die Flasche, dreht sie in den Händen, richtet sich auf, streicht sich dann mit einer Hand den Rock glatt und geht mit zügigen Schritten weiter zum nächsten Mülleimer.
Ihr Hund tänzelt und wedelt mit dem Schwanz.

2010-NHF

Montag, 11. Oktober 2010

...im Zickzack

"Wenn ich an mich zurückdenke, sehe ich nicht ein Ich. Ich sehe viele. Manchmal bin ich erstaunt über ein bestimmtes Ich, das ich offenbare. Wir sind nicht immer ein einziges Ich. Wir machen keine Evolution durch, die immer hübsch vorwärts- und aufwärtsgeht. Es geht im Zickzack, auf und ab."
Henry Miller - Mein Leben und meine Welt

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Ich träumte


Ich träumte
Teil eines Bootes zu sein
Tief in den Planken
ein kleiner Nagel
Backbord am Bug

Sommersprossenrostig
ich die Welt anblicke
nah am Wasser
nah am Innern

Salz auf mir krustet
Blut an mir trocknet
Algen mich kitzeln

Am Strand tippeln die Möwen umher
eine pickte nach mir

2005-NHF